Wattenmeer-Schutz
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These 3: Strombremse wird zur tickenden Zeitbombe

Rettet das Cux-Watt, 31.03.2018

Mit einem weiteren Fahrrinnenausbau wird die Strömungsgeschwindigkeit in der Fahrrinne der Elbe deutlich zunehmen. Der Hamburger Hafen wird schneller und stärker als je zuvor von Sedimenten geflutet. Dabei sind die Baggermengen mit 11 Mio. Kubikmeter Schlick bereits heute auf einem Rekordniveau, das dem Steuerzahler mehr als 100 Mio. Euro jährlich kostet. Dazu kommen ca. 50 Millionen Euro für die jährliche Unterhaltungsbaggerei der Elbe-Fahrrinne.

 

Um die Strömungsdynamik in der Elbe zu dämpfen soll die Medemrinne am Altenbrucher Boden mit 15 Mio. Kubikmeter Ausbaubaggergut verfüllt werden. Von dem Teilverschluss dieses Nebenfahrwassers versprechen sich die Planer eine deutliche Dämpfung der Strömungsgeschwindigkeit. Die Rechenmodelle der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) zur Strömungsdynamik basieren jedoch auf einen extrem knappen Zeitraum von nur 14 Tagen. Gegengutachter kommen zu ganz anderen Ergebnissen. Ihre Modelle basieren auf einen deutlich längeren Berechnungszeitraum. Der Verbau der Medemrinne soll nach Einschätzung neutraler Gutachter eine Halbwertzeit von nur 3 Jahren haben. Die Strombremse wird also nur 3 Jahre wirksam sein. Prof. Zanke von der Technischen Universität Darmstadt und der niederländische Wasserbauexperte Dr. de Rijn bestätigen die Unwirksamkeit der Strombremse. Die Medemrinne ist ständig in Bewegung. Anhand von Seekarten der letzten 35 Jahre lässt sich eine Verlagerung der Medemrinne um beinahe 4 km (!) nachweisen.

 

Experten gehen davon aus, dass die Verfüllung der Medemrinne eine tickende Zeitbombe ist. Die natürliche Morphodynamik in diesem Gewässerabschnitt, deren Stärke sich mit jeder Sturmflut um ein Vielfaches potenziert, werde rasch dafür sorgen, dass ein erheblicher Teil des Füllmaterials wieder in die vertiefte Fahrrinne gespült wird. Die prognostizierten Folgen sind dramatisch. Experten befürchten eine Versalzung der Obstbaumwiesen im Alten Land, Verlust von Uferflächen an der Elbe sowie stark zunehmende Baggermengen, um die Fahrrinne von Untiefen zu befreien. Schon heute sind die Baggermengen kaum mehr zu händeln.

 

Wir befürchten, dass der Aushub für die Fahrrinnenvertiefung jahrzehntealtes Sediment zum Vorschein bringt. Das Sediment, tief in der Fahrrinne schlummernd, stammt noch aus DDR-Zeiten. Von der Schadstoffbelastung dürfte es sich um hoch kontaminiertes Material handeln. Wenn dieses Material in der Medemrinne verbaut wird, dieses Bauwerk aber nur eine Halbwertzeit von maximal 3 Jahren hat, dann ist eine Umweltkatastrophe vorprogrammiert.


Insgesamt werden ca. 42 Mio cbm Ausbaubaggermassen zwischen dem Neuen Lüchtergrund und Brunsbüttel angeblich „weitgehend lagestabil“ verklappt und das in einer Region mit besonders extremer Morphodynamik. Die Fischerei wird die Folgen bereits während der zweijährigen Ausbaubaggerphase zu spüren bekommen. Das Cuxhavener Watt wurde mit der letzten Elbvertiefung und der daraus resultierenden Änderung der Verklappungspraxis bereits massiv geschädigt. Die Klappstelle Neuer Lüchtergrund bis kurz vor die Kugelbake auszuweiten und dort auch einen beträchtlichen Teil des Aushubs unterzubringen, dürfte unseren empfindlichen Watten den Rest geben.

Kontakt

Tanja Schlampp 

Döser Feldweg 195

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email: Tanja.Schlampp@wattenmeer-schutz.de