Wattenmeer-Schutz Cuxhaven
Wattenmeer-Schutz Cuxhaven

Auswirkungsprognose: "Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing"

Wattenmeer-Schutz, Tanja Schlampp, Cuxhaven, 08.02.2022

 

+++ Hamburg Port Authority (HPA) stellt Auswirkungsprognose vor. Umweltverbände unter Zeitdruck: HPA räumt eine Stellungnahme nur bis zum 7. März ein - dann wird bei Scharhörn verklappt. +++

Der Hamburger Senat erwartet von der Hamburg Port Authority schnellstmöglich Lösungsvorschläge für die zunehmende Sedimentation in der Elbe-Fahrrinne und im Hamburger Hafen. Die HPA steht indes mit dem Rücken zur Wand. Wohin mit den Sedimentmassen?

 

Die vorgegebenen Solltiefen für die Fahrrinne und dem Hamburger Hafen sind kaum zu halten. Immer mehr Schlick türmt sich immer schneller auf. Eine Situation, die man aus der Ems kennt, die mittlerweile mehr Schlick als Wasser führt. Gelernt hat man aus den Erfahrungen der Ems freilich nichts und hat - wider besseren Wissens - die Elbe ein weiteres Mal vertieft.

 

Die Hamburg Porth Authority (HPA) verantwortlich für die Bereitstellung der nautisch erforderlichen Wassertiefen im Hamburger Hafen und in der Hamburger Delegationsstrecke, hat daraufhin verschiedene Gutachten in Auftrag gegeben und daraus eine Auswirkungsprognose erstellt. 

 

Die Auswirkungsprognose, die ganz im Sinne der HPA ausfällt, ist m.E. nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben steht. Wieder einmal wurde viel Geld ausgegeben für Gutachten, die man unter folgendes Resümée zusammen fassen kann:

 

„Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing“.

 

Die Auswirkungen auf Flora und Fauna seien geringfügig. Umweltgesetze (WRRL, BNaSchG, WHG, OSPAR), so der einhellige Tenor, werden durch die geplanten Verklappungen bei der Vogelschutzinsel Scharhörn, unmittelbar am Weltnaturerbe Wattenmeer, nicht wesentlich verletzt. 

 

Die Umweltverbände dürfen sich für ihre Stellungnahmen durch 620 Seiten beschönigter Gutachten durchkämpfen und das in einem straffen Zeitfenster von nur 4 Wochen. Ab Mitte März soll bereits mit den Verklappungen begonnen werden. 

 

„Das politische Urteil gegen das Wattenmeer scheint bereits gesprochen. Die Beteiligung kann nur noch eine Farce sein, denn eine rechtlich saubere Prüfung der Einwendungen mit einwandfreier Abwägung der Umweltbelange ist in dieser engen Vertaktung nicht möglich. Dort wo Seehunde und Schweinswale sowie Dutzende Fisch- und Vogelarten leben und zum Teil sehr seltene Tiere und Pflanzen zu Hause sind, will Hamburg seinen Baggerabfall ins Meer kippen“, so die Umweltverbände vom Aktionsbündnis Tideelbe 

 

Es ist faktisch einfach unmöglich, einen gemäß EU-WRRL guten Gewässerzustand herzustellen oder eine Verschlechterung zu vermeiden, wenn tagtäglich ein Cocktail verschiedenster Schadstoffe in großen Mengen ins Gewässer eingebracht wird.

 

Das Gebiet bei Scharhörn ist sowohl Lebensraum als auch Kinderstube  für zahlreiche marine Arten (z.B. Scholle, Seezunge, Krabben). Kabeljau, Wittling, Flunder und Stint finden dort Nahrung.

 

Das Gebiet um Scharhörn liegt in einem bedeutenden Wanderkorridor für geschützte Arten, u.a. Fluss- und Meerneuenauge, Lachs, Schnäpel, Stör sowie für den Aal, der dort im Sandwatt vorkommt.

 

Die feinen Schwebstoffe nach einem Verklappungsvorgang durchströmen bei ihrer Verdriftung den Wanderkorridor für Fische. Die erhöhten Schwebstoffgehalte können die Kiemen der Fische zusetzen. Kabeljaul, Wittling, Flunder und Stint sind dort auf Nahrungssuche.

 

Ferner befinden sich im nahen Umfeld der Großklappstelle Seehundsbänke. Seehunde nehmen Schadstoffe in besonders hohen Konzentrationen auf, da sich Schadstoffe bevorzugt im Fettgewebe anreichern. 

 

Die durch die Umlagerungen eingebrachten Schadstoffe verteilen sich in die Küstenwatten, die dort langfristig verbleiben und nicht dem Leitbild für Schadstoff- und ökotoxikologische Belastungen entspricht. Treten als Folge einer Verdriftung negative Effekte auf Biota auf, so lassen sich die belasteten Sedimente nicht mehr aus den Watten und der Deutschen Bucht entfernen.

 

Die Sedimentüberdeckung oder die schwebstoffbedingte Beeinflussung von Filtrierleistung der Organismen können sich gravierend auf die Populationen des Makrozoobenthos (Muscheln, Wattwürmer & Co.) auswirken. Die ökotoxikologische Belastung des Sediments wirkt sich direkt auf die Fitness und Fortpflanzungsfähigkeit der Makrozoobenthosorganismen aus.

Die Verklappungen unmittelbar am Weltnaturerbe Wattenmeer sind in Zeiten zunehmenden Umweltbewusstseins und europäischer Umweltgesetze in keinster Weise zu rechtfertigen.

Kontakt

Tanja Schlampp 

Döser Feldweg 195

27476 Cuxhaven

Telefon: 04721-39 86 46

mobil: 0177-86 48 396

email: Tanja.Schlampp@wattenmeer-schutz.de

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