Wattenmeer-Schutz Cuxhaven
 Wattenmeer-SchutzCuxhaven

Wenn die Ausnahme zur Regel wird

Wattenmeer-Schutz, 28.06.2019

 

Warme Temperaturen, Fischsterben in der Elbe bei Wedel und die Not des Wasserstrassen- und Schifffahrtsamtes den gebaggerten Schlick aus dem Hamburger Hafen und aus der Elbe-Fahrrinne "umzulagern". Doch wohin mit dem schadstoffinduzierten Schlick, der deutliche ökotoxikologische Belastungen aufweist? Das Gewässer zwischen Neßsand und Wedel hat seine Belastungsgrenze bereits überschritten. Das zeigen uns ganz deutlich die toten Fische und das dort befindliche 15 km lange Sauerstoffloch.

 

Das flexible Strategiekonzept zur Umlagerung von Baggergut ermöglicht es dem WSA in einer Ausnahmesituation, schadstoffinduzierten und sauerstoffzehrenden Baggerschlick aus Wedel/Juelssand bei Neuer Lüchtergrund im Mündungstrichter vor Cuxhaven zu verklappen. Diese Ausnahmesituation ist in diesem Jahr erreicht.

 

Die Ausnahmesituation ist auch schon im letzten Jahr eingetreten. Wir erinnern uns an die Algenblüte, die das Cux-Watt großflächig übersäte. Schon im letzten Sommer durfte stark belasteter Schlick aus Wedel vor Cuxhavens Küste entsorgt werden. Gerade in kritischen Situationen, wenn auch hier der Sauerstoff im Gewässer aufgrund lang anhaltender Hitze knapp wird, darf sauerstoffzehrender Schlick unmittelbar angrenzend am Nationalpark Wattenmeer entsorgt werden.

 

Was man dabei gerne außer Acht läßt, ist die zunehmende Verschlechterung der Gewässerqualität im Mündungstrichter und der Deutschen Bucht. Wenn sich die Gewässerqualität um eine Stufe verschlechtert, dann darf um eine weitere Stufe stärker belastetes Baggergut dorthin verbracht werden. Diese "Salamitaktik" führt dazu, dass die Verbringung von Baggergut aus Wedel/Juelssand schon bald keine Ausnahmesituation mehr erfordert, sondern tagtägliche Realität wird.

 

Die sogenannte Salamitaktik war auch bei Tonne E 3 zwischen Helgoland und Scharhörn schon "erfolgreich". 1995 wurde dort erstmals Baggergut aus dem Hamburger Bereich verklappt. Alles streng überwacht und auf maximal 5 Jahre und maximal 1 Mio. Kubikmeter Schlick pro Jahr begrenzt. Die Klappstelle gibt es heute immer noch bzw. sie wurde auf vier Klappfelder erweitert. Jährlich dürfen dort 3 Mio. Kubikmeter Schlick untergebracht werden. Und weil es bereits zu stofflichen Veränderungen im Klappfeld und darüber hinaus gekommen ist, darf seit 2016 auch der Schlick aus dem Hamburger Hafenbecken dort entsorgt werden. 

 

Mit der Salamitaktik lassen sich große Ziele realisieren, die aufgrund ihrer Abschreckung in der Bevölkerung zunächst klein beginnen. Einmal als Ausnahmesituation erlaubt, wird dem Unheil Tür und Tor geöffnet.

Kontakt

Tanja Schlampp 

Döser Feldweg 195

27476 Cuxhaven

Telefon: 04721-39 86 46

mobil: 0177-86 48 396

email: Tanja.Schlampp@wattenmeer-schutz.de