Wattenmeer-Schutz Cuxhaven
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Kugelbake-Leitdamm: Die unterschiedlichen Aussagen des Wasserstrassen- und Schifffahrtsamtes im Zeitverlauf

Wattenmeer-Schutz Cuxhaven, 17.09.2019

 

Als es im Planfeststellungsverfahren der 7. Elbvertiefung (1974) um die Verlängerung des Leitdamms um 3 km ging, hat Prof. Dr. Klug, damaliger Leiter der Abteilung Küstenforschung des geogr. Instituts der Universität Kiel, vor den Folgen gewarnt und die langfristigen Auswirkungen des Leitdammbaus auf das Duhner und Döser Watt in zutreffender Weise beschrieben. Das Gutachten wurde damals von der Wasserstrassen- und Schifffahrtsverwaltung unter Zuhilfenahme der fachlichen Expertise der Bundesanstalt für Wasserbau vehement bestritten. Dabei sind die prognostizierten Folgen dem WSV bereits seit 1938 bekannt und - mehr noch - auch so beabsichtigt gewesen. Damals hat man mit dieser Falschbehauptung zweier Bundesbehörden (WSV und BAW) einen Planfeststellungsbeschluss zur 7. Elbvertiefung bewirkt. Heute, nachdem der Leitdamm sein "Teufelswerk" erfüllt hat und es allgemeiner Konsens zu sein scheint, dass das Bauwerk nicht mehr rückgebaut wird, geben die Bundes- und Landesbehörden zu, was damals abgestritten worden ist: Der Leitdamm führt zu einem unnatürlichen Anwachsen der Cuxhavener Wattflächen und hat bis heute zu einer Verlandung der Kugelbakefahrrinne und mehrerer Priele geführt.

 

Hier die unterschiedlichen Aussagen der Bundesbehörde im Zeitverlauf:

 

  1. Reichswasserstraßenverwaltung von 1938: Das Ziel des Leitdamms ist eine Verlandung des Kugelbakefahrwassers.
  2. Wasserstraßen- und Schifffahrtsdirektion Hamburg 1974: Leitdammverlängerung um 3 km wirkt sich nicht nachteilig auf das Wattgebiet vor Cuxhaven aus. Belegt wurde diese Aussage mit Modellversuchen der Bundesanstalt für Wasserbau sowie einer Stellungnahme von Dr. Göhren vom Franzius-Institut.
  3. Pressemitteilung des WSA Cuxhaven 2009: Gründe für den Schlickfall kann es viele geben, eine eindeutige Zuordnung ist aber leider nicht ohne weiteres möglich.
  4. WSA-Chef Bernhard Meyer in den CN vom 30.11.2017: Tief greifendster Eingriff des Menschen in das dynamische System der Watten war der sukzessive Ausbau des heute 10 km langen Leitdamms über mehrere Jahrzehnte. Der massive Steinbau dient als Sandfang für die von West nach Ost driftenden Sedementmengen, die auf den Wattflächen von Sahlenburg, Duhnen und Döse liegen bleiben. Die Folge war die Verlandung einer Reihe von Prielen im Cuxhavener Watt.
  5. Pressemitteilung des WSA Cuxhaven vom Juli 2019: Die Veränderungen des Döser und Duhner Watts resultieren im Wesentlichen aus der Langzeitwirkung des Leitdammbaus. Ein Zusammenhang mit der Verbringung von Baggergut in der Außenelbe aus der Fahrrinnenunterhaltung von HPA und WSV sei nach wissenschaftlich begründeter Einschätzung der Fachbehörden nicht nachweisbar und somit nicht gegeben. Das WSA bezieht sich in ihrer Aussage auf eine gemeinsame Stellungnahme von NLWKN (Forschungsstelle Küste) und der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) zu Veränderungen des Döser und Duhner Watts vom 26.Juni 2019.

 

Quellenangabe und weitergehende Informationen:

 

zu 1) Quelle: Präsentationsunterlagen der WSV beim LK Cuxhaven - Ausschusssitzung / Infoveranstaltung am 14.10.2016: 

Das Ziel des Leitdamms ist eine Verlandung des Kugelbakefahrwassers. Mit diesem Ziel ist der Leitdamm gebaut worden. Das geht aus der Reichswasserstraßenverwaltung von 1938 hervor.

  • Stromverwilderung der Elbmündung, 3-Rinnen-System: „Kugelbakefahrwasser“ – Mittelgrund – „Haupt(fahr)rinne“ – Vogelsand/Gelbsand – „Norderelbe/Lüchterloch“
  • Im Mündungstrichter: „Hauptfahrrinne“ – Spitzsand/Kratzsand/Medemgrund – „Klotzenloch/Medemrinne“

-> Ständige Verlagerungen der Rinnen

-> Abbruch der Wattkanten vor Neuwerk

-> Alle Rinnen sind breit und flach

-> Nachteile für Schifffahrt und Erhalt des Schifffahrtsweges 

  • Leitdamm
  • um periodische Rinnenverlagerungen zu unterbinden
  • zur Selbsterhaltung der Fahrwassers in der Hauptrinne
  • => Prognostizierte Folge: Verlandung des Kugelbakefahrwassers („Ziel!“)

​zu 2) Quelle: Niederschrift über den Erörterungstermin im Planfeststellungsverfahren für den 13,5 m Ausbau der Untwer- und Außenelbe in Cuxhaven, 15.01.1974):

  • "Herr Regierungsbaurat Reiner (WSD) nimmt eingehend zu dem Gutachten von Herrn Prof. Klug vom 28.07.1973 Stellung und gelangt zu der zusammenfassenden Feststellung, daß ungünstige Auswirkungen auf den Erholungsraum der Strände und Watten vor Cuxhaven von der Leitdammverlängerung nicht zu erwarten seien. Er verweist auf den positiven Effekt der Leitdammverlängerung, durch welche das für den Kurbetrieb bedeutsame Wattengebiet noch schärfer von der mit häuslichen und Industrieabwässern belasteten Elbe abgetrennt werde." Der Stadt Cuxhaven werde die Untersuchungsunterlagen über die Modellversuche der Bundesanstalt für Wasserbau zugesagt.
  • "Herr Dr. Göhren bestätigt das Ergebnis dieser Stellungnahme unter Bezug auf die Modellversuche des Franzius-Institutes. Er gibt einen kurzen Überblick über die von seiner Dienststelle durchgeführten Messungen und bekräftigt, daß nach der Schließung des Leitdammes im Jahre 1968 keine nachteilige Verschlickung des Watts eingesetzt habe."

zu 3) Quelle: Presseinformation des Wasser- und Schifffahrtsamts Cuxhaven, 15.02.2009: "Sandumlagerung zum Schutz des Leitdamms. Das WSA Cuxhaven bringt Baggergut zum Leitdamm, um ihn gegen Erosion zu schützen."

  • Gründe für den Schlickfall kann es viele geben, eine eindeutige Zuordnung ist aber leider nicht ohne weiteres möglich.
  • Zurzeit lagert sich vor Duhnen Schlick in einem uferparallelen Streifen ab, der mehrere hundert Meter breit
    und bis ca. 20 cm mächtig ist. Dieser Effekt trat zuletzt im letzten Sommer auf und sorgte bei
    Einheimischen und Besuchern für Verärgerung.
  • Bereits im letzten Jahr hatten daraufhin Fachinstitutionen des Bund und des Landes Niedersachsen damit begonnen, die Ursachen zu ergründen.
  • Anfang diesen Jahres haben sich auf Initiative des WS Cuxhaven Vertreter der Stadt Cuxhaven, des Landes Niedersachen (NLWKN, Forschungsstelle Küste)und des Bundes (Bundesanstalt für Wasserbau, Bundesanstalt für Gewässerkunde, WSA Cuxhaven) darauf verständigt, ein Untersuchungsprogramm gemeinsam zu entwickeln, um die Fachkompetenzen zu bündeln.
 

Ein Ablenkungsmanöver von den Schlickumlagerungen?

Das die Behördenvertreter heute kein Problem mehr damit haben, den Leitdamm als Ursache für den schlechten Zustand unseres Cux-Watts zu benennen, mag auch daran liegen, von einem anderen - vielleicht noch gravierenderen Eingriff - abzulenken: Seit der 8. Elbvertiefung (1999/2000) werden jedes Jahr viele Millionen Kubikmeter Baggerschlick aus der Elbefahrrinne am Watt vor Cuxhaven verklappt. Das hat zu einer massiven Beschleunigung der oben beschriebenen Folgen des Leitdammbaus geführt. Zusätzlich zu der Verlandung kommt noch eine chronische Vergiftung der Watten und der Meeresbewohner hinzu, die wohl auch dann erst zugegeben wird, wenn die Schadstoffe sich soweit in der Meeresumwelt angereichert haben, dass sie deutlich messbar werden. Bis dahin wird man die 9. Elbvertiefung vollzogen haben und niemand wird auf die Idee kommen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Das Foto zeigt die Kugelbake-Fahrrinne, die heute nicht mehr existiert. Im Hintergrund ist der steinerne Leitdamm zu sehen. Das Watt ist mittlerweile bis zur Krone aufgewachsen.

Foto: Peter Bussler

Kontakt

Tanja Schlampp 

Döser Feldweg 195

27476 Cuxhaven

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