Wattenmeer-Schutz Cuxhaven
 Wattenmeer-SchutzCuxhaven

UNESCO Weltnaturerbe ernsthaft bedroht?

Pressemitteilung vom 10. September 2019, Verf. Klaus Schroh, Nabu Cuxhaven

 

Zur 1o. jährigen Wiederkehr der Proklamierung des Weltnaturerbes Wattenmeer gibt es keinerlei Anlass, dieses Ereignis grossartig zu feiern:

 

Die Unterelbe ,einschliessliche des Hamburger Zuständigkeitsbereiches, wird jetzt für die grossen Containerriesen ausgebaggert, wobei 40 Mio cbm Schlick und Sedimente u.a. im Bereich des Weltnaturerbes verklappt bzw. umgelagert werden sollen.

 

Hinzu kommen alljährlich ca 15 Mio cbm Unterhaltungsbaggerungen, die im wesentlichen im Bereich Aussenelbe umgelagert werden, und das mit steigender Tendenz nach dem Ausbau. Hinzu kommen weiterhin alljährlich 7 bis 11 Mio cbm aus dem Hamburger Hafen!

 

Nach dem Ausbau wird mit nochmaliger Zunahme von 20 % der Baggermassen aus Fahrrinnen- und Hafenbecken-Unterhaltung zu rechnen sein. ( Annahme der Vertiefungsplaner im PFB !)

 

Nicht viel anders wird es der Aussenweser nach der erwarteten Plangenehmigung zur Weservertiefung ergehen, wo übrigens seit Jahren ca. 9 Mio cbm alljährlich im Wattbereich verklappt werden, herrührend aus den lfd. Unterhaltungsbaggerungen. Es ist wohl - nach derzeitigen Erfahrungen - davon auszugehen, dass auch die Aussenweser und ein Teil der Unterweser in ein paar Jahren vertieft werden, wodurch zu den o.g. alljährlichen Unterhaltungsbaggerungen nochmals grosse Massen "Ausbaubaggergut" im Aussenweserbereich verklappt werden müssen.

 

Nach dem Ausbau der Unter- bzw. Aussenweser kann - analog der Unterelbe-Steigerung - mit nochmaliger Zunahme der Unterhaltungsbaggerungen gerechnet werden.

 

Aber auch Im Bereich der Aussenems werden alljährlich mit ca. 9 Mio cbm ähnliche Baggermengen gebaggert und verklappt, wie in der Weser.

All dies geschieht im UNESCO-Weltnaturerbe-Bereich, gebilligt von den jeweiligen Länderegierungen in Niedersachsen, Bremen und Hamburg und selbstverständlich auch mit Genehmigung des Bundesverkehrsministers, zuständig für den Bundes-Wasserstrassenausbau.

Eine abgestimmte Hafenkonzeption der drei Bundesländer dürfte somit Illusion sein, denn jedes Küstenland bzw. Hamburg möchte einen eigenen Tiefwasserhafen betreiben:

 

Bremerhaven , Wilhelshaven (Jade-Weser-Port) und Hamburg, wobei allerdings im Jade-Weser-Port die Containerriesen ohne Beschränkungen hinsichtlich Tidewasserstand und Tiefgang ein- und auslaufen können. Zusätzliche Baggerungen sind dort nicht erforderlich, da die Fahrrinne für die dort verkehrenden Tanker mit 16,5 m Tiefgang ausreichend unterhalten wird.

Um diesen Wahnsinn im Interesse der Vermeidung gravierender ökologischer Schäden in den Seehafenansteuerungen zu stoppen, hatte die EU früher einmal (erfolglos) beabsichtigt den Mitgliedsländern vorzuschlagen, "jedes Land möge nur einen TIEFWASSERHAFEN für die grossen Schiffe betreiben."

Wie sollte das wohl gelingen, wo nicht einmal die Seehafenpolitik der Bundesrepublik hierzu in der Lage ist.

 

Es wird höchste Zeit, dass sich u.a. die Umweltschutzverbände NABU und BUND mit dem zuständigen Bundesverkehrsministerium in Verbindung setzen, damit dieser Uneinsichtigkeit beim Bund und den betr. Küstenländern im Interesse des Weltnaturerbes Wattenmeer ein Ende gesetzt wird.

Das v.g. Problem hätte längst an die grosse öffentliche Glocke gehört, falls man es mit dem Natur- und Umweltschutz überhaupt Ernst meint.

Nach dem sehr wahrscheinlichen ausbaubedingten ökologischen Kollaps der Unterelbe dürfte auch der Unterweser ein ähnliches Schicksal beschieden sein, wenn es zu der Weservertiefung kommen sollte.

Hier müssen schon jetzt entscheidende Weichen gestellt werden. Bedauerlicherweise hat sich bereits MinPräs S. Weil weit aus seinem niedersächs. Fenster gehängt und sich für die Weservertiefung ausgesprochen, obwohl ihm eigentlich an dem erwartetem Zuwachs seines Jade-Weser-Ports gelegen sein müsste.

 

Zusammenfassend muss die in der Überschrift gestellte Frage unter v.g. Gründen mit JA beantwortet werden.

Baggerschiff Ham 316 nach dem Verklappungsvorgang am Weltnaturerbe Wattenmeer vor Cuxhaven.

Bild: Tanja Schlampp, September 2019 

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