Wattenmeer-Schutz
Wattenmeer-Schutz

These 2: Elbvertiefung ohne ein funktionierendes Baggerschlick-Konzept

Rettet das Cux-Watt, 31.03.2018

 

Schon bei den Planungen für die 8. Elbvertiefung hat man die Auswirkungen auf den Sedimenthaushalt nicht richtig eingeschätzt. Vor dem Hintergrund von massiv angestiegenen Baggermengen seit der letzten Elbvertiefung, sollte man meinen, bei den Planungen für die 9. Elbvertiefung würden diese Erfahrungen mit einfließen. Leider sieht es anders aus. Obwohl es noch keine Lösungen für die laufend anfallenden Baggermengen gibt, soll auf Basis von 10 Jahre alten Planungsunterlagen die nächste Elbvertiefung erfolgen. Eine Elbvertiefung, die geplant dreimal mehr Aushub aus der Fahrrinne holt als die Elbvertiefung im Jahr 1999/2000.

 

Vor 10 Jahren prognostizierte die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW), dass mit der geplanten 9. Elbvertiefung die Unterhaltungsbaggerei um 10% steigen würde. Diese Prognose hat sich als völlig falsch erwiesen. Die Baggermengen sind deutlich angestiegen, im Hamburger Hafen sogar bis zu 500%. Der Sedimenthaushalt ist seit der letzten Elbvertiefung aus dem Gleichgewicht geraten. Schon für die heute anfallenden Baggermengen gibt es kein nachhaltiges Entsorgungskonzept. Das Baggerschlick-Konzept aus dem Jahr 2006 ist vollständig gescheitert.

 

Mit einer Verbringung (=Entsorgung) des Hamburger Hafenschlicks in den Sommermonaten zwischen Helgoland und Scharhörn sollten sich die Baggermengen im Hamburger Hafen deutlich reduzieren. Das Gegenteil ist eingetreten. Die Baggermengen, die aus dem Hamburger Hafen geholt werden, befinden sich mit über 11 Mio. Kubikmeter Schlick im Jahr 2017 auf einem Rekordniveau. Betrachtet man die Entwicklung der Baggermengen seit der letzten Elbvertiefung, geht es nur noch in eine Richtung: Die Baggermengen steigen von Jahr zu Jahr.

 

Für Cuxhaven und die Deutsche Bucht hat das seit 2006 umgesetzte Baggerschlick-Konzept Auswirkungen, die heute schon gravierend sind, sich in ihrer vollen Tragweite jedoch erst noch zeigen werden. Leider hat Schleswig-Holstein mit der damals erteilten „Ausnahmegenehmigung“ zur Verklappung von Schlick vor Helgoland - damals als Notlösung angedacht - der Entsorgung von Schlick in die Deutsche Bucht „Tür und Tor geöffnet“. Ursprünglich sollte zwischen Helgoland und Scharhörn jährlich maximal 1 Mio. Kubikmeter Schlick verklappt werden. Und das nur in Ausnahmefällen und zeitlich auf 5 Jahre begrenzt. Mittlerweile sind vor Helgoland 4 Dauerklappstellen eingerichtet, im letzten Jahr wurden dort 3,7 Mio. Kubikmeter Hafenschlick entsorgt. Eigentlich sollten die Verklappungen sofort gestoppt werden, wenn sich herausstellt, dass die Meeresumwelt Schaden nimmt. Das wurde auch einmal umgesetzt. Mittlerweile geht man damit anders um. Die Schäden sind längst eingetreten, und trotzdem wird weiter und immer mehr verklappt. Für die Schäden an der Meeresumwelt lässt sich Schleswig-Holstein von Hamburg für jeden verklappten Kubikmeter Hafenschlick bezahlen. Das Geld fließt in eine Stiftung zum Schutz des Wattenmeeres – welch eine Verhöhnung der Umwelt.

 

Jedoch nicht nur zwischen Helgoland und Scharhörn wird verklappt, auch bei Neuer Lüchtergrund, 10 km vor Cuxhavens Stränden. Die Menge Elbschlick, die hier angrenzend am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer entsorgt wird, ist mit jährlich 10 Mio. Kubikmeter deutlich höher als die Menge, die vor Helgoland verklappt wird. Doch auch das reicht nicht aus und deshalb wird bereits nach weiteren Klappstellen gesucht. Dabei schreckt die WSV nicht davor zurück, den Elbschlick noch näher an Cuxhavens Küste zu entsorgen. Zwischen Neuer Lüchtergrund und der Kugelbake werden parallel zum 10 km langen Leitdamm östlich der Fahrrinne 4 weitere Klappstellen eingerichtet.

 

Fazit: Der Sedimenthaushalt der Tideelbe ist aus dem Gleichgewicht geraten und ein Konzept für eine nachhaltige Lösung ist nicht in Sicht. Weder gibt es Pläne für eine Verringerung der Baggermengen, z.B. durch die Schaffung von Flutraum und Rückdeichungen, noch gibt es ein umweltschonendes Entsorgungskonzept. Hafenschlick weiterhin in die Deutsche Bucht zu entsorgen, ist kurzfristig gedacht und wird sich langfristig als „Büchse der Pandora“ erweisen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ständigen Schadstoffeinträge in die Deutsche Bucht sich in den Wattflächen und den Meerestieren so stark anreichern, dass die Werte auch großflächig messbar werden. Zusätzlich führen die ständigen Schlickverklappungen zu einer Aufhöhung der Wattflächen und einer Überdeckung der Bodenlebewesen, die diese Eingriffe auf Dauer nicht überleben können.

Bildrechte: Christina Schimmel

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