Wattenmeer-Schutz
Wattenmeer-Schutz

UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer – nur eine leere Worthülse?

26. Aug 2017, Rettet das Cux-Watt

Im Juli haben wir uns mit einem Appell an die Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt, um rechtzeitig vor ihrem Wahlkampfauftritt in Cuxhaven, auf die Bedrohung unseres einzigartigen Ökosystems Wattenmeer aufmerksam zu machen. Leider hat unser Hilferuf die Bundeskanzlerin nicht persönlich erreicht. Stattdessen haben wir vor wenigen Tagen eine Antwort von der CDU erhalten. In diesem wird uns Verständnis entgegen gebracht und uns mitgeteilt, dass die vom Gericht erforderlichen Nachbesserungen zur Elbvertiefung schnellstmöglich umgesetzt werden. Nun, so weit wir wissen, handelt es sich bei den Nachbesserungen hauptsächlich um Ausgleichsflächen für den Schierlingswasserfenchel. Wie sollten diese Nachbesserungen die Situation für das Wattenmeer vor Cuxhaven verbessern? Es ist traurig, dass selbst die internationale Auszeichnung zum UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer von unseren führenden Politikern keinerlei Bedeutung beigemessen wird. Wirkliche Antworten auf unser Anliegen haben wir nicht erhalten.

Auch auf der Wahlkampfveranstaltung im Cuxhavener Kurpark offenbarte sich das nicht vorhandene Interesse an dem Thema. Die immense Bedeutung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe und dessen Bedrohung wurde weder von unserer Bundeskanzlerin in ihrer Wahlkampf-Rede in Cuxhaven erwähnt, noch von ihren Vorrednern, unseren „Volksvertretern“ vor Ort. Dabei handelt es sich bei unserem Appell an die Bundeskanzlerin nicht um ein regional begrenztes Anliegen, dem wir Gehör verschaffen wollten, sondern um ein mitten in Deutschland bedrohtes Ökosystem von internationaler Wertschätzung. Schade, dass in unserer Politik ein Weltnaturerbe nicht mehr zu sein scheint als eine leere Worthülse.


Hier die Kernaussagen beider Mails:

Auszug aus unserer Mail an die Kanzlerin:

„Seit spätestens 2008 sind die Ursachen für die gravierenden Auswirkungen auf das Cuxhavener Watt bekannt: Das Wirken des Leitdamms als auch gigantische Mengen von Hamburger Elbschlick, der seit der letzten Elbvertiefung täglich vor Cuxhaven entsorgt wird, haben zu einem Prozess der Verlandung geführt. Der Wattboden ist um mehr als ein Meter angewachsen, erste Pionierpflanzen breiten sich im Watt aus. Von den Schadstoffen, die durch den Hamburger Elbschlick in zuvor unbelastete Gebiete (Cuxhaven, Neuwerk, Scharhörn, Helgoland) verfrachtet werden, ganz zu Schweigen. Die Politik fährt seitdem eine Hinhaltetaktik und geht an die Ursachen nicht wirklich heran. Demnächst steht uns eine weitere Elbvertiefung bevor, die dann wohl endgültig für das Umkippen dieser einzigartigen Naturlandschaft sorgen wird. … Wir haben mitten in Deutschland ein Weltnaturerbe, das wir für die nachfolgenden Generationen unbedingt bewahren sollten. Der Hamburger Hafen kann auch ohne Schiffs-Containerriesen weiter existieren. Der Tiefseewasserhafen Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven ist extra für diese Schiffsgrößen gebaut worden und ist nicht annähernd ausgelastet.“

Auszug aus der Antwort vom Bürgerservice der CDU-Bundesgeschäftsstelle:

„Bitte entschuldigen Sie, dass wir Ihnen aufgrund des hohen Anfragenaufkommens erst jetzt antworten. Haben Sie bitte zudem Verständnis dafür, dass Frau Dr. Merkel aufgrund der Vielzahl täglich eingehender Zuschriften nicht persönlich auf jede eingehen kann. … Ihre Ausführungen zur Elbvertiefung und den damit verbundenen Auswirkungen für das Wattenmeer vor Cuxhaven habe ich aufmerksam gelesen und bin Ihnen für Ihre offenen Worte und Ihre Anmerkungen sehr dankbar. Gerade die Rückmeldungen von Personen wie Ihnen, die sich sogar in einer Bürgerinitiative detailliert mit diesem Thema beschäftigen, sind für uns immer wieder außerordentlich wichtig und hilfreich. Meinungsäußerungen sind ein wichtiger Bestandteil des demokratischen Ringens um den besten Weg für unser Land und von daher auch dann immer willkommen, wenn sie Kritik und Ablehnung signalisieren. 
Natürlich verstehe ich Ihre Sorge um das Wattenmeer vor Cuxhaven sehr gut. 
Am 9. Februar 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht sein Urteil über die geplante Elbvertiefung bekanntgegeben. Es stellte Mängel am Planfeststellungsbeschluss fest und forderte Nachbesserungen. Auch Hamburgs CDU-Fraktionschef André Trepoll hat nach dem Urteil vom rot-grünen Senat einen Aktionsplan zur Minderung der schlimmsten Folgen gefordert. Dabei machte er deutlich, dass eine Elbvertiefung wohl kaum vor Ende der Legislaturperiode 2020 zu erwarten sei und die Zeit bis dahin gut genutzt werden muss. Es sei wichtig, dass sie vom Gericht verlangten Nachbesserungen so schnell wie möglich umgesetzt werden müssen – etwa mithilfe der Stiftung Lebensraum Elbe. 
Bei weiteren Fragen würde ich Ihnen empfehlen, sich an den Beauftragten für maritime Wirtschaft der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Rüdiger Kruse zu wenden.“

Kontakt

Tanja Schlampp 

Döser Feldweg 195

27476 Cuxhaven

Telefon: 04721-39 86 46

mobil: 0177-86 48 396

email: Tanja.Schlampp@wattenmeer-schutz.de