Wattenmeer-Schutz
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Start für neue Wasserbauwerke in der Elbe

CN, 12.02.2019 von Ulrich Rohde

 

KREIS CUXHAVEN. Nach erfolgter Auftragsvergabe beginnen die ersten Arbeiten für die Elbvertiefung. Dazu zählt auch der Bau der drei so genannten Unterwasserablagerungsflächen "Medemrinne", Brokdorf und "Neufelder Sand".

In diesen Tagen sind die ersten Aufträge durch die Wasserstraßen- und Schifffahrtsbehörde des Bundes für Arbeiten im Zuge der Elbvertiefung vergeben worden. Dazu zählen die Unterwasserablagerungsflächen (UWA) "Medemrinne", Brokdorf und "Neufelder Sand". Die Strombaumaßnahme bei Brokdorf beginnt bereits an diesem Mittwoch mit dem Verklappen von Steinen zur Errichtung des Randdamms der UWA unter Wasser.

Die Unterwasserablagerungsfläche "Medemrinne" nördlich von Otterndorf gilt aus wasserbaulicher Sicht als Kernstück der gesamten Fahrrinnenanpassung im Verlauf der Unterelbe. Sie soll den Planern die größtmögliche hydrologische und ökonomische Effizienz der Vertiefung garantieren. Ziel des Eingriffs ist es, die Tidedynamik im Mündungsbereich des Stroms dauerhaft und stark zu dämpfen. In dem sogenannten "weichen Bollwerk" mitten in der "Medemrinne" sollen innerhalb einer Schüttsteinumrandung insgesamt 12,5 Millionen Kubikmeter Baggergut lagestabil deponiert werden. Dieser tidedämpfende Einfluss soll auch eine im Medembogen zusätzlich geplante Umlagerungsstelle mit weiteren 2,5 Millionen Kubikmetern Baggergut vor dem dort herrschenden starken Gezeitenstrom schützen.

Wasser gräbt sich neue Wege

So der Plan. Kritiker sehen das naturgemäß völlig anders. Bereits der für den BUND und den Naturschutzbund sowie für die Städte Cuxhaven und Otterndorf während der für die Kläger nicht erfolgreichen Verfahren gegen die Elbvertiefung vor dem Leipziger Bundesverwaltungsgericht als Gutachter tätige Prof. Ulrich Zanke (TU Darmstadt) meldete Zweifel an, dass der Tidenhub durch die Verflachung der Medemrinne gesenkt werden könne. Das Wasser werde sich neue Wege graben und die UWA ihren Zweck verfehlen. Indirekt werde dann eine Erhöhung des Tidenhubs die Strömungsgeschwindigkeit und den Sedimentumschlag in der Elbmündung erhöhen. Auch die Wasserbauliche Versuchsantalt der Bundesanstalt für Wasserbau spricht von einer Region mit höchster Morphodynamik in der offenen Elbmündung. Gleichwohl hält die Bundesanstalt an ihrer nach Computersimulationen prognostizierten tidedämpfenden Wirkung der UWA fest.

Prof. Zanke und der holländische Wasserbauexperte Dr. van de Rijn geben dem etwa 3,5 Meter unter Seekartennull liegenden Bauwerk eine Halbwertszeit von etwa drei Jahren, bevor es von Sturmfluten zerschlagen oder vom Gezeitenstrom umgangen werde. Damit werde sich auch der erhoffte Effekt eines Anstiegs des Sturmflutpegels von nur einem bis zwei Zentimetern nicht einstellen, glauben diese Experten.

Sie erwarten vielmehr, dass durch Deformierung und Umspülung der Unterwasserablagerungsbauwerke weiter steigende Unterhaltungsbaggerungen im Hauptfahrwasser erforderlich würden. Zudem könnten der mittlere Tidenhub aber auch die Sturmflutscheitelwasserstände bei einem Wegfall der Tidedämpfung deutlich zunehmen und sich so die Gefahr von Deichüberflutungen verstärken.

St. Pauli: Tidenhub 3,82 Meter

Der Cuxhavener Schifffahrtsexperte des Naturschutzbundes (Nabu), Klaus Schroh, rechnet vor, dass die Elbe seit 1950 von etwa zehn auf jetzt 14,5 Meter vertieft worden sei. In dieser Zeit habe der mittlere Tidenhub von 2,38 auf 3,82 Meter am Pegel St. Pauli zugenommen. Die Sturmflutpegel seien in diesem Zeitraum am Pegel St. Pauli im Vergleich zu Cuxhaven sogar um etwa einen Meter angestiegen. Mit der aktuellen Vertiefung werde der Sturmflutpegel St. Pauli erneut um deutlich mehr als 20 Zentimeter steigen. Schroh geht davon aus, dass in der Erwartung des Ausbleibens der Tidedämpfung in Hamburg unlängst die Bestickhöhen der Deiche um 80 Zentimeter erhöht worden seien.

 

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