Wattenmeer-Schutz
Wattenmeer-Schutz

Das Übel an der Wurzel packen

Pressemitteilung zum CN-Artikel „Sandsäcke weisen Priel in Schranken"

 

Tanja Schlampp, 10.01.2019: Wir begrüßen grundsätzlich, dass die niedersächsische Landesregierung auf die Probleme der erhöhten Wasserstände im Priel "Duhner Loch" schnell reagiert hat und Maßnahmen ergreift, um die Landverbindung nach Neuwerk aufrecht zu erhalten. Das ist erforderlich, um die Inselversorgung und die touristisch begehrten Wattwagenfahrten auch in Zukunft zu ermöglichen.

 

Allein die Art der Maßnahme halten wir für bedenklich. Mit in Sand gefüllte Big Packs baut das Land im Watt eine weitere künstliche Barriere auf, um die fortschreitende Vertiefung des Priels "Duhner Loch" aufzuhalten. Neben dem Kugelbake Leitdamm und dem Furt am Sahlenburger Loch handelt es sich nunmehr um das dritte Bollwerk im Weltnaturerbe Wattenmeer.

 

Das widerspricht eklatant dem Weltnaturerbe-Gedanken. Voraussetzung für die Aufnahme in die Welterbeliste ist der „Außergewöhnliche Universelle Wert“ einer Stätte. Der außergewöhnliche universelle Wert des Wattenmeeres besteht darin, dass es das weltweit größte zusammenhängende Gezeitengebiet ist, in dem die natürlichen Prozesse ungestört ablaufen. In diese natürliche Dynamik greifen Bund und  Küstenländer durch Strombaumaßnahmen und Baggerschlick-Verklappungen aus Elbe und Weser zunehmend ein. 

 

Die einzige sinnvolle Lösung, um die Landverbindung nach Neuwerk nachhaltig zu sichern, ist für uns am Leitdamm zu suchen. Seit dem Bau des Leitdamms bei der Kugelbake ist die Entwässerung des Watts über die Elbe massiv eingeschränkt. WSA-Chef Bernhard Meyer räumt öffentlich ein, dass es sich beim Leitdamm um den tief greifendsten Eingriff in das dynamische System der Wattflächen vor Cuxhaven gehandelt hätte. Mit dem Leitdamm würden die Ziele „Sedimentfang“ und „Verlandung“ von Prielen und Rinnen zugunsten des Elbe-Schifffahrtsweges verfolgt werden.

 

Wir plädieren dafür, das Übel an der Wurzel zu packen und wirkungsvolle Maßnahmen am Leitdamm durchzuführen. Das könnten eine oder mehrere Öffnungen sowie eine Verkürzung des Leitdamms um mehrere Kilometer sein. Mit der Schließung der Lücken und einer Verlängerung des Leitdamms wurden die Priele von der Elbe abgeschnitten und haben ihre Funktion, das Watt zu entwässern, zunehmend verloren. Das vielverzweigte Prielsystem existiert nicht mehr. Vier Priele sind vollständig verlandet. Das Döser Watt galt aufgrund seiner zahlreichen Priele einst als das schönste Wattgebiet in Cuxhaven. Heute ist kein Priel mehr im Döser Watt vorhanden. Dem Döser Watt sieht man seinen traurigen Zustand an. Ein ungeheurer Verlust eines ehemals wunderschönen Naturgebietes. Viele Wattfreunde können sich an das hellbraune Riffelwatt noch gut erinnern.

 

Das Wasser sucht sich seine Wege und so hat die Entwässerung des Döser und Duhner Watts sich zunehmend nach Westen über das Altoxstedter Tief verlagert. Seit der Steinaufschüttung dort am Sahlenburger Loch erhöhen sich nun auch die Pegelstände am Duhner Loch.

 

Von beiden Seiten (Weser und Elbe) werden die Prielsysteme vermehrt daran gehindert, die Wattflächen zu entwässern. Die Folge wird sein, dass das Watt weiter aufschlickt und die Verschlickung ein Ausmaß annimmt, dass selbst die Wattwagen es in wenigen Jahren nicht mehr schaffen, durch den hohen Matsch zu kommen.

 

Wir befürchten, dass dann wiederum nur die Symptome bekämpft werden und mit Sandaufschüttungen die Schlickfelder verdichtet werden. Das wäre eine ökologische Katastrophe und ein Teufelskreislauf von immer mehr Eingriffen in ein Ökosystem, dass nach den UNESCO-Kriterien eine von Menschenhand unbeeinflusste Wildnis sein sollte.

 

Schon 1960 wusste man übrigens um die fatale Auswirkung des Leitdamms auf das Prielsystem im Watt. In einem Zeitungsartikel der Hannoversche Allgemeine Zeitung von 1960 heißt es:

 

„Ein neuer, breiter Wasserarm, der auch bei Niedrigwasser nicht mehr ohne Gefahr durchquert werden kann, hat die Verbindung zwischen Festland und Insel zerschnitten. Schuld an dieser, dem Fremdenverkehr abträglichen Veränderung der Meereslandschaft geben Einheimische einem Millionenprojekt der Wasserbauer, einem fast 10 km langen Leitdamm“.

 

Der Artikel von 1960, der so zutreffend die Wirkung des Leitdamms auf die Landverbindung nach Neuwerk beschrieb finden Sie im nachfolgenden:

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Tanja Schlampp 

Döser Feldweg 195

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